Als Beweggründe dafür nennt Ellison in seiner Keynote:
- Das, was man derzeit an Linux-Support von den Distributoren erhalten könne, genüge Unternehmensansprüchen nicht und sei zu teuer.
- Zudem werde kein Schutz gegenüber Ansprüchen in Hinblick auf geistiges Eigentum geboten, wie sie derzeit beispielsweise SCO erhebe. (Die einschlägigen Initiativen der Linux-Distributoren - Novell startete Anfang 2004 ein Haftungsfreistellungs- und Schadenersatzprogramm, Red Hat hat eine ähnliche Softwaregarantie im Angebot - kamen in dem Zusammenhang nicht zur Sprache.)
UNBREAKABLE LINUX
Den neuen Linux-Support von Oracle präsentierte Ellison in direkter Gegenüberstellung mit den entsprechenden Angeboten von Red Hat, was - wen wunderts - den Linux-Distributor nicht gut aussehen ließ:
- Die installationsfertige Distribution ist kostenlos erhältlich; Red Hat bietet lediglich die Quelltexte zum kostenlosen Download, die kompilierten Binaries gibt es nur zusammen mit einem Support-Vertrag.
- Der Zugang zu Oracles Unbreakable Linux Network (ULN) mit Bugfixes und Updates - das Pendant zum Red Hat Network, das der Linux-Distributor ebenfalls nur zusammen mit einem Support-Vertrag anbietet - kostet 99 US-Dollar pro Jahr.
- Basic Support - weltweit und rund um die Uhr, laut Ellison das Beste, was Red Hat zu bieten habe - kostet 399 Dollar pro Jahr für einen Zwei-Prozessor-Server und 999 Dollar für Maschinen mit mehr Prozessoren.
- Der Premier Support für 1199/1999 Dollar umfasst zeitlich unbegrenzte Bugfixes für ältere und kommende Versionen.
Oracle bietet an, laufende Support-Verträge mit Novell und Red Hat zu übernehmen. Bestehende RHEL-Installationen - unterstützt werden sowohl die aktuelle Version 4 als auch deren Vorgänger RHEL 3 auf der x86- und der x64-Plattform - sollen sich durch simples Umhängen aus dem Red Hat Network ins Oracle Network in Minutenfrist umstellen lassen. Dazu reiche die Installation der Oracle-Version des up2date-Programms. Für RHEL zertifizierte Software kann weiterverwendet werden.
SUPPORT FÜR ALLE
Das Angebot richtet sich keineswegs nur an Oracle-Kunden: Auch Anwender, die keine andere Oracle-Software einsetzen, können Linux-Support zu den genannten Konditionen bei Oracle kaufen. Wer schon Datenbank, Middleware und weitere Software von Oracle einsetzt, erhält aus einer Hand Support für den gesamten Software-Stack. Für einen guten Start der neuen Initiative gewährt das Unternehmen bis zum 31. Januar 50 Prozent Rabatt.
Oracle, erklärt Ellison, möchte so vor allem den Erfolg von Linux im Unternehmen voran bringen. Eine Spaltung des Linux-Markts sei nicht beabsichtigt: Man werde Unbreakable Linux hundertprozentig kompatibel zu Red Hat Enterprise Linux halten. Sobald der Linux-Distributor Updates, Fehlerkorrekturen oder eine neue Version veröffentlicht, will man das eigene Angebot ebenfalls aktualisieren - und mit zusätzlichen Bugfixes verbessern, die dann auch Red Hat und der Linux-Community zur Verfügung stehen sollen.